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Externsteine – Faszination Natur und Kultur

Die Externsteine sind nur 10 min mit dem Fahrrad und nur 20 min zu Fuß von meinem Wohn- und Arbeitsort entfernt! Vor 37 Jahren war ich an einem schon ziemlich dusteren Novembernachmittag das erste Mal dort – und seitdem natürlich ungezählte Male! Seit diesem Sommer habe ich einen weiteren Grund, häufiger die Externsteine zu besuchen: Ich bin jetzt einer der offiziellen Gästeführer für den Landesverband Lippe! Ein paar Mal im Monat führe ich dort jetzt Besuchergruppen – von den zufällig zusammengewürfelten Teilnehmern offener Führungen über Schulklassen bis hin zu Teilnehmern an „Kaffeefahrten“! Eine spannende Aufgabe, die auch wegen der Unterschiedlichkeit der Besucher viel Spaß macht!

Eine natürliche Felsengruppe in einem mitteleuropäischen Mittelgebirge ist eine geowissenschaftliche Rarität, die zusammen mit der Umgebung durch ein bereits 1926 eingerichtetes Naturschutzgebiet geschützt ist. Aber noch außergewöhnlicher werden die Externsteine durch ihre historische Nutzung und Umgestaltung. Allein schon das romanische Kreuzabnahmerelief, vermutlich vom Ende des 12. Jahrhunderts, das man als „Bildgeschichte“ von der Ursünde der Menschheit über die Erlösung durch den Kreuzestod Christi bis zu dessen Auferstehung lesen kann, fasziniert mich immer wieder!

Natürlich kann man die Frage stellen, ob es eine vorchristliche Nutzung der Externsteine gegeben hat. Archäologische Belege dafür gibt es aber nicht, obwohl im Dritten Reich unter Regie des SS-Ahnenerbes in einer großen Grabungskampagne über zwei Sommer wie verrückt nach „germanischen“ Hinterlassenschaften gesucht wurde. Es bleibt aber in einem christlichen Nutzungskontext schwer zu deuten, dass der erste Sonnenstrahl bei der Sommersonnenwende genau durch die nach Nordost gerichtete runde Öffnung der als Kapelle genutzten Höhenkammer fällt. Diese genaue Ausrichtung ist eine Meisterleistung, egal, ob sie aus vorchristlicher Zeit oder dem Mittelalter stammt!

Die Externsteine sind auch ein Tummelplatz von Esoterikern, die die Externsteine wahlweise als keltisches oder germanisches, jedenfalls vorchristliches Heiligtum, als druidischen Kraftort oder was auch immer sehen. Leider sind die Externsteine aber auch ein Tummelplatz für Identitäre, Rechtsextreme und Verschwörungstheoretiker und wie es mir scheint, verschwimmen manchmal die Grenzen zwischen Esoterik, demokratie-feindlichen Verschwörungstheorien und Rechtsextremismus!

Den mit den Externsteinen verbundenen Verschwörungstheorien und rechtsextremen Vorstellungen, die schon einmal in der deutschen Geschichte zu Krieg und Massenmord geführt haben, möchte ich bei meinen Gästeführungen die Faszination der besonderen geologischen Verhältnisse und der – nach allem, was wir wissen – aus dem Mittelalter stammenden kulturellen Hinterlassenschaften gegenüberstellen. Und dabei muss bei der Frage, ob es vielleicht doch schon eine vorchristliche Nutzung der Externsteine gab, kein „Glaubenskrieg“ ausbrechen. Denn Nicht-Befunde aus vorchristlicher Zeit bedeuten ja nur, dass es keinen Beweis für eine vorchristliche Nutzung gibt, nicht jedoch, dass es sicher keine solche Nutzung gab!

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